Martin Lüpold

Ein gelungenes Fest

Reformationsfest —  Historisches Personal (in schwarz Kirchenpflege-Präsident Denis Labhart, in grün der Schauspieler Florian Lisken, flankiert von freiwilligen Helferinnen<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirchgemeinde-ammerswil.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>64</div><div class='bid' style='display:none;'>385</div><div class='usr' style='display:none;'>3</div>

Wie hat sich durch die Reformation das Leben der Leute verändert? Welche Veränderungen hat es in unserer Kirche in Ammerswil gegeben? Antworten auf diese und auf andere Fragen gab es am Reformationsfest der Reformierten Kirchgemeinde Ammerswil - Dottikon - Dintikon - Hägglingen Ballygebiet am 10. September 2017.
Martin Lüpold,
Es ist ganz schön ungewohnt, wenn ein reformierter Pfarrer den Gottesdienst in lateinischer Sprache beginnt. So geschehen in Ammerswil am 10. September 2017. Ein Gottesdienst zum Jubiläum "500 Jahre Reformation" ist angesagt. Man sitzt da, versteht gar nichts, oder nur das eine oder andere Wort ("Deus", "Christus", "Spiritus sanctus") und fragt sich - was soll das?
Genau so unverständlich tönte es für die Kirchgänger in Ammerswil aber jeden Sonntag - bis im Jahr 1528 die Reformation kam. Ab dann wurde der Gottesdienst auf Deutsch abgehalten. Auch sonst hat die Reformation einiges verändert.

Eine Reise in die Reformationszeit
Der Schauspieler Florian Lisken, in historischem Kostüm und mit Schriftrolle bewehrt, unterbrach den lateinischen Sermon von Pfarrer Michael Lo Sardo und führte die zahlreich erschienenen GottesdienstsbesucherInnen auf eine Zeitreise.
Luther war nicht der erste Reformator. Vor ihm waren andere, Wyclif, Hus, auch Erasmus. Als Luther kam, war die Zeit für eine Reformation reif. Die Bauern wollten Freiheit, die deutschen Fürsten wollten "los von Rom", die Städte Zürich und Bern versprachen sich ebenfalls Vorteile vom neuen Glauben.
Ein gnädiger, liebender Gott schwebte den Reformatoren vor. Aber die Reformation bedeutete den Beginn von unendlichen Religionskriegen. Auch in Ammerswil liegen Tote aus Religionskriegen begraben, vor allem aus dem Zweiten Villmerger Krieg 1712.
Das Reformationsjubiläum sei daher nur bedingt ein Jubelfest, resümierte Michael Lo Sardo. Mit Auszügen aus einer Ammerswiler Predigt-Ordnung von 1667 machte er deutlich, dass die reformierten Obrigkeiten ein strenges Regime führten. Aber Glauben bedeute eben "Glauben" und nicht "Wissen". Der eigene Glauben sollte anderen nicht aufgezwungen werden, schloss Lo Sardo.
Pfarrerin Kristin Lamprecht betonte, Reformation sei keine einmalige Sache, sondern ein Prozess. Und auf diesem Prozess sei die reformierte Kirche in Sachen Demokratie und Gleichberechtigung heute zum Glück viel weiter als früher.

Ein gelungenes Fest
Nach dem Gottesdienst wurde gerne die Gelegenheit genutzt, sich näher mit der Geschichte der Reformation in Ammerswil zu befassen. Mit Abendmahls- und Taufgeschirr, eindrücklichen alten Bibeln sowie Dokumenten und Fotos aus den Archiven hatten Mitglieder des Historischen Vereins Seetal und Umgebung eine Ausstellung gestaltet und in der frisch sanierten Remise präsentiert. Fotos aus den letzten 100 Jahren zeigten, dass sich die Kirche Ammerswil in dieser Zeit verschiedentlich verändert hat. Wer weiss schon, dass die Orgel früher einmal vorne stand?
Im Festzelt stand alsdann das Mittagessen samt Kuchenbuffet an. Besonders vom sonnigen Herbstwetter profitieren konnte das Kinderprogramm: Ein Mühlespiel wurde gebastelt, und weitere alte Spiele wie Murmelwerfen konnten ausprobiert werden. Für die ganz Wagemutigen unter den Erwachsenen standen historische Kostüme zur Anprobe bereit.
Abgeschlossen wurde der Tag durch ein Panflötenkonzert in der Kirche, das auf grossen Anklang stiess.
Insgesamt ein sehr gelungenes Fest, das nicht nur wegen den zahlreichen Gästen, sondern auch dank dem Engagement vieler Freiwilliger und des Historischen Vereins Seetal ein Erfolg geworden ist.
Bereitgestellt: 10.09.2017     Besuche: 15 Monat 
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