Tamara Minder

An-ge-dacht

Uhr<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirchenweb.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>203</div><div class='bid' style='display:none;'>987</div><div class='usr' style='display:none;'>1</div>

Zeit haben

"Vati!" Vati las Zeitung. Vati brummte: "Was ist denn, Junge?" "Muss ich auch Zeitung lesen, wenn ich gross bin?" "Natürlich!" "Warum, Vati?" Vati hörte nichts, denn Vati las schon wieder. "Warum, Vati, möchte ich wissen!" "Hm? Warum? Was warum?"
"Warum ich auch Zeitung lesen muss, wenn ich gross bin?" "Mein Gott, als Erwachsener liest man eben Zeitung. Da muss man sich auf dem laufenden halten!"
"Was ist ,auf dem laufenden', Vati?"
"Du lieber Himmel, Junge, das ist soviel wie ... wie sich zu orientieren, verstehst du?" "Nein!"
"Dann sprechen wir ein anderes Mal darüber! Jetzt lass mich aber endlich lesen!"
"Warum kannst du nicht lesen, Vati, wenn ich mit dir spreche?" "Weil mich das stört, Junge! Reden stört immer. Man soll überhaupt so wenig wie möglich reden, merke dir das!" "Unser Lehrer redet aber sehr viel, Vati!"
"Also, jetzt langt's mir! Schliesslich ist er ja Lehrer. Lehrer dürfen reden. Aber Kinder haben still zu sein, verstanden!?"
"Aber - aber wenn ich in der Schule die ganze Stunde nicht den Mund auftue, schimpft der Lehrer!"
"Zum Donnerwetter, jetzt ist's aber genug! Ich will jetzt endlich lesen Wenn du mich weiter so mit Fragen verrückt machst, bin ich bald reif fürs Irrenhaus!"
"Musst du da auch Zeitung lesen, Vati?"
"Nein, nein, nein, Herrgott! Da gibt es keine Zeitungen!"
"Au fein, Vati", sagte der Sohn, "da komme ich dich dann besuchen, und ich kann mit dir sprechen, ohne dass es dich stört!" (Eine Geschichte von Martin Mulow)

Ja, es ist schon verrückt, wie beschäftigt wir Erwachsenen sind. Natürlich, wir müssen unserer täglichen Arbeit nachgehen, um das täglich Brot der Familie zu verdienen. Aber es bleibt doch genug Zeit – Freie Zeit.

Das wesentliche ist, wie wir diese Zeit nutzen. Diese Freie Zeit unserer Lebenszeit. Dabei ist diese Zeit ein doppeltes Geschenk. Das Geschenk unserer Lebenszeit und zusätzlich frei zu gestaltende Zeit. Wenn uns also zum Geschenk des Lebens noch das Geschenk des Lebens unserer Kinder gegeben ist, dann lasst sie uns doch gemeinsam nutzen, denn wie schnell ist sie vergangen. Wie schnell sind die Kinder gross und gehen ihre eigenen Wege. Und diese Zeit kehrt nie wieder. Also lasst uns als Beschenkte uns gegenseitig beschenken mit der Zeit für einander.

Zum Zeitung lesen ist dann immer noch Zeit.

Eine gesegnete, beglückende Zeit nicht nur in der beginnenden Urlaubszeit wünscht Ihnen allen ihr Pfarrer Michael Lo Sardo
Bereitgestellt: 26.06.2020      
aktualisiert mit kirchenweb.ch